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Prädisposition für familiären Brust- und Eierstockkrebs (BROVCA)

Krankheitsbild

Etwa 5 – 10% aller Mamma- und Ovarialkarzinome entstehen aufgrund einer erblichen Disposition. Das entspricht in Deutschland jährlich über 2000 erblich bedingten Mammakarzinomfällen, die durch ein früheres Erkrankungsalter und ein häufig bilaterales Auftreten charakterisiert sind.

Familienuntersuchungen haben gezeigt, dass das lebenslange Erkrankungsrisiko von Frauen, die BRCA-1- oder BRCA-2-Mutationsträgerinnen sind, zwischen 55% und 85% für Brustkrebs und zwischen 15% und 65% für Eierstockkrebs liegt. Das Risiko für ein Zweitkarzinom der Brust oder der Eierstöcke liegt bei 50 Prozent. Auch das Risiko für weitere Krebsarten, z.B. Haut-, Darm- oder Bauchspeicheldrüsenkrebs ist gegenüber der Allgemeinbevölkerung erhöht.

Genetik

Zwischen 5 und 10 Prozent der Brust- und Eierstockkrebserkrankungen sind erblich bedingt. Beim männlichen Brustkrebs ist der Anteil der genetisch disponierten Fälle wesentlich höher. Die Erkrankung wird nach einem autosomal dominanten Erbgang (mit unterschiedlicher Penetranz) in den betroffenen Familien weitergegeben. Kinder eines Mutationsträgers haben eine Wahrscheinlichkeit von 50%, die Mutation zu erben - unabhängig vom Geschlecht.

Es sind bisher mindestens zwei verschiedene Gene identifiziert worden, die für die familiären Fälle von Brust-/Eierstockkrebs verantwortlich sind: BRCA1 auf Chromosom 17 und BRCA2 auf Chromosom 13. Beide Gene sind so genannte Tumorsuppressor-Gene, welche die Zellvermehrung kontrollieren, und können heute molekular­genetisch untersucht werden. In Familien, deren Stammbaum auf einen autosomal dominanten Erbgang für Brust- oder Eierstockkrebs hinweist, kann eine negative Mutationsanalyse der Gene BRCA1 und BRCA2 ein erhöhtes Risiko nicht sicher ausschließen, da auch Mutationen in anderen Tumorsuppressor-Genen (z.B. p53, ATM u.a) für die Krebserkrankungen verantwortlich sein können.

Vorsorge und Therapie

Aufgrund des hohen Erkrankungsrisikos der Mutationsträgerinnen ist ein standardisiertes Früherkennungsprogramm (sekundäre Prävention) unter Einbeziehung der Sonographie, Mammographie und Kernspintomographie zu empfehlen, welches die speziellen Charakteristika des erblichen Brust- und Eierstockkrebses berücksichtigt. Zur Verhütung (primäre Prävention) des erblichen Brust- und Eierstockkrebses stehen operative und medikamentöse Optionen zur Verfügung. Die Inanspruchnahme einer Genanalyse sowie präventiver Maßnahmen hängt von der individuellen Situation ab und verlangt eine interdisziplinäre Beratung und Betreuung.

Indikation

Eine molekulargenetische Untersuchung der Gene BRCA1/2 ist angezeigt, wenn in einer Linie der Familie

  • mindestens 3 Frauen an Brustkrebs erkrankt sind
  • mindestens 2 Frauen an Brustkrebs erkrankt sind, davon 1 vor dem 51. Lebensjahr
  • mindestens 1 Frau an Brustkrebs erkrankt und 1 Frau an Eierstockkrebs erkrankt sind
  • mindestens 1 Frau an Brust- und Eierstockkrebs erkrankt ist
  • mindestens 1 Frau mit 35 Jahren oder jünger an Brustkrebs erkrankt ist
  • mindestens 1 Frau mit 50 Jahren oder jünger an bilateralem Brustkrebs erkrankt ist
  • mindestens 1 Mann an Brustkrebs und eine Frau an Brust- oder Eierstockkrebs erkrankt sind

                                                                                             (S3 Leitlinie Mammakarzinom - Juli 2012)

Beratung

Als Risikopersonen werden sowohl gesunde als auch erkrankte Personen aus Familien mit Verdacht auf erblichen Brust- und Eierstockkrebs angesehen, da sowohl Gesunde als auch Erkrankte ein deutlich erhöhtes Risiko für Brustkrebs und Eierstockkrebs beziehungsweise ein Zweitkarzinom haben. Eine Risikoperson sollte multidisziplinär von Gynäkologen, Humangenetikern und Psychoonkologen beraten und betreut werden.

Die Beratungen beinhalten:

  • Eine gynäkologische Beratung über Früherkennungsmaßnahmen und vorbeugende Behandlungsmöglichkeiten

  • Eine humangenetische Beratung über das individuelle genetische Risiko, über die Möglichkeiten und Konsequenzen einer molekulargenetischen Untersuchung und Hilfestellung bei der Entscheidungsfindung für oder gegen die genetische Analyse

  • Eine psychoonkologische Beratung zur Beurteilung der psychosozialen Situation, zur Bewältigung der Situation und zur Hilfestellung bei Entscheidungsschwierigkeiten

Die Beratungen erfolgen nicht-direktiv und geben der Ratsuchenden umfassende Informationen für eine eigenständige Entscheidung für oder gegen den Gentest. Eine molekulargenetische Untersuchung auf Mutationen in den Brustkrebsgenen BRCA1/2 wird daher erst nach Abschluss der Beratungen, einer Bedenkzeit und nach informierter Entscheidung der Ratsuchenden für den Gentest durchgeführt. Nicht in jedem Fall kann eine Mutation in der Familie identifiziert werden.

Eine prädiktive Gendiagnostik bei gesunden Frauen kann in der Regel nur bei nachgewiesener pathogener Mutation in der Familie erfolgen. Wird die in der Familie vorhandene Mutation bei einer gesunden Frau der Familie ausgeschlossen, sind spezielle präventive Maßnahmen nicht mehr erforderlich. Es gelten die allgemeinen Empfehlungen zur Krebsfrüherkennung.

Diagnostik

Einzelgen-Diagnostik

Prädisposition für familiären Brust- und Eierstockkrebs (BROVCA)

Multigen-Diagnostik

siehe Tumorerkrankungen